Mittwoch, 20. August 2008
Sie sind doch alle gleich...
Danach hab ich meine student-ID endlich mal anfertigen lassen. Es spricht Bände für meine sprichwörtliche Photogenität, dass die Frau am Photoschalter gleich 3 Photos von mir gemacht hat, obwohl die Schlange hinter mir immer länger wurde. Gebracht hats nix, auf meiner ID sehe ich aus, als ob ich gerade betrunken aus dem Bett gefallen bin. Dabei war das heute mal gar nicht so.
Ansonsten bin ich frisch verliebt. Schon der Gedanke an sie lässt mich träumen. Jerkys. Es war ja absehbar, dass ich sie mögen würde. Ich weiß jetzt schon, dass sie mir in Deutschland fehlen werden. Mmmmh... Fleisch. Aus der Tüte! Was ist denn da schon Europa mit seiner popligen Renaissance dagegen?
Dienstag, 19. August 2008
Der alte Mann klaut mein Essen!
Gute Nachrichten: Ich habe herausgefunden, wie ich in meiner Wohnung per Kabel online gehen kann. So lange meine Mitbewohner nicht da sind kann ich also ungestört online gehen. Und die meiste Zeit sind sie nicht da, immerhin ist ihre Gallerie fast den ganzen Tag über offen.
Nächste gute Nachricht: Ich habe einen billigen Supermarkt gefunden. Musste nur ein paar Blocks weiter ins Latino-Viertel. Auf dem Foto (zeigt den Blick aus meinem Fenster) einfach gerade aus. Im Latino-Supermarkt (in dem Latino-Food verkauft und Latino-Musik gespielt wurde) konnte ich dann auch endlich meinen Traum erfüllen und Jerkys kaufen. Mein Erfahrungsbericht dazu folgt demnächst.
An der Kasse angekommen war ich doch etwas verwundert, dass ein alter Mann all mein eingekauftes Essen einpackte. Aber dann ist mir die lebensnotwendige Institution des Einpackers wieder eingefallen und ich konnte meinen Würgegriff um seinen Hals lockern und aufhören ihn zu schütteln.
Nächste Mission: Nagelknipser kaufen. Ja, New York ist ein aufregendes Abenteuer.
Starbucks
Ja, genau da sitze ich. Um genau zu sein, in dem am Astor Place. Bei über 1100 Starbucks allein in Manhatten muss man etwas konkreter sein. Hableider kein W-lan in meiner Wohnung... Neben mir sitzt gerade eine Frau die etwas trinkt, das aussieht wie Entengrütze, aber wenn ich sie richtig belauscht habe war das ein grüner Tee-Frappucino mit Sojamilch. Für mich dann lieber die Entengrütze.
So, es folgt der wohl längste Beitrag hier. Aber die ersten Tage sind ja auch eindeutig die aufregendsten. Es hat etwas gedauert, weil ich erstmal einen neuen Adapter für mein Laptopkabel gebraucht habe. Ein einziges Chaos, aber ich kriegs langsam in den Griff.
Also, nachdem ich mich tränenreich von meiner Familie verabschiedet habe, stieg ich in das zweimotorige Propellerflugzeug, das ungefähr so vertrauenserweckend aussah, wie ein von mir gebastelter Papierflieger, und mich nach Düsseldorf bringen sollte. Kein Wunder, dass Air Berlin wirtschaftlich schon mal besser da stand, ich war schon in Taxis in dem mehr Leute saßen als in diesem Flugzeug.
In Düsseldorf betrat ich dann mit dem Mantra, dass alle Fernreisenden vor sich hinmurmeln das „richtige“ Flugzeug: „Bitte nicht neben einem Kind, bitte nicht neben einem Kind, bitte nicht neben einem Kind...“. Aber da Gott mich ja besonders lieb hat prüfte er mich mit einem Kind zu meiner Linken. Und einem zu meiner rechten. Und einem ca. 2 Jahre alten Zwillingspärchen direkt vor mir. Nur hinter mir saß keins, weshalb ich ein schlechtes Gewissen hatte meinen Sitz zurückzulehnen...
Nachdem ich dies mit meiner mir eigenen stoischen Ausgeglichenheit überstanden hatte, war die erste Aufgabe in New York vom JFK zur Gallerie meines Vermieters/Mitbewohners Jesse zu kommen. Ich habe mich gegen ein 45$ Taxi und für einen 21$ Airport Shuttle Bus entschieden. Vom Unterhaltungsfaktor her klar die richtige Entscheidung. Ich habe selten so eine kreative Aneinanderreihung von 4-letter words gehört... Anscheinend haben diese die volle Aufmerksamkeit des Fahrers gekostet, weshalb er beinah einen schweren Unfall gebaut hätte. Mein Leben zog vor meinen Augen vorüber, aber leider hab ich mir die Augen zugehalten, wie mutige Männer das so machen um nicht den würdelosen Anblick von kreischenden Menschen als letzten Anblick auf der Welt zu haben.
Natürlich wurde ich als letzter von 9 Passagieren rausgelassen. Um ca. halb neun abends bin ich dann in der „Galleria J. Antonio“ gelandet. Dort wurde ich von meinem Landlord/roomie freudig in Empfang genommen. Und ja, er ist schon ziemlich klischee-schwul. Aber sein Freund und Kollege Jesus ist noch ein wenig tuntiger. Aber beide sind sehr freundlich. Nun aber eine kleine Enttäuschung für viele meiner treuen Fans: Es handelt sich bei dieser Gallerie nicht um eine Kunstgallerie. Aber für meine weiblichen Fans kommt ein noch besserer Ersatz. Jesse, Jesus und ihr (noch tuntigerer) Angestellter Ramon produzieren in ihrer Gallerie Schmuck, ganz teure Einzelstücke. Immerhin wurde ich gleich auf ein Gläschen Rotwein eingeladen, immerhin ein Cabernet Sauvignon. Leider eiskalt, aber nach nur kurzem „Warmdrücken“ trinkbar.
Jetzt wohne ich im East village, oder wie die Einheimischen es gerne nennen, das Sülz New Yorks. Auf dem Foto oben seht ihr übrigens mein Zimmer (fast komplett, in all seinen 8qm). Um genau zu sein wohne ich ganz nah beim Tompkins Square Park, der laut Jesse vor Rudy ein ganz gefährliches Pflaster war. Jetzt ist er aber laut ihm ganz toll und sicher. Vielleicht liegt es an meiner bornierten deutschen Wahrnehmung, aber es kommen immer noch auf jeden zweiten Besucher ein Obdachloser. Das Highlight des Parks ist aber der Hundespielplatz. Es gibt wenig unterhaltsameres als einer Horde Hunden beim Spielen (jaja, gelegentlich auch bei unbeholfenen Sex-Versuchen) zuzusehen. Zumindest bis endlich ein Forscher meinen Plan für kleine Hauselefanten in die Tat umsetzt.
Das Wetter hier ist fast schon zu gut. Strahlender Sonnenschein und 30 Grad, sogar Celsius. Hab mir auch gleich beim durch die Stadt flanieren einen heftigen Sonnenbrand zugezogen. Ich hatte mal Sonnencreme, aber die ist irgendwie seit meinem Abschied weg... Das Wetter wird die ganze Woche so bleiben, zumindest wenn ich der Wettervorhersage glauben schenken darf. Die macht hier übrigens 75% der Fernsehnachrichten aus. Die restlichen 25% bestehen aus Interviews mit Michael Phelps. Und das 10 Wochen bevor die Leute hier den nächsten mächtigsten Mann der Welt wählen...
Ich muss noch irgendwo einen günstigen grocery store finden. 21$ für 1,5 l Milch, ein wenig Müsli und 3,5 l alkoholfreie Getränke können einfach kein Dauerzustand sein.
Tagsüber laufe ich durchs Village und versuche mich zu orientieren. Klappt schon annähernd. Habe aber leider feststellen müssen, dass ich definitiv nicht cool und hip genug für diese Stadt. Ohne Brille traue ich mich fast gar nicht mehr raus. Da hab ich wenigstens ein Accessoire. Wenn ich schon nicht gepierced oder tätowiert bin wie fast alle hier. Das Comeback des Oberlippenbartes greift leider auch hier ungebrochen um sich. Generell ist der trendy New Yorker so angezogen, wie ich mich nicht mal auf eine bad taste-Party trauen würde. Das soll jetzt nicht gemein klingen, aber für Anke laufen hier jede Menge Traummänner rum.
Letzten abend bin ich in eine Kneipe gegangen, wollte bloß in netter Gesellschaft die olympischen Spiele sehen. Bin dann in einer Kneipe gelandet, in der sogar Iggy Pop sich mal betrunken hat. Jedenfalls endete dann alles in einer deutsch-englisch-polnisch-kanadisch-schwedischen Trink-Extravaganza. Immerhin konnte ich mein gutes Training der Tage vor meinem Abschied ausnutzen und mich schadlos halten. Nicht so wie die später dazu stoßenden Amerikanerinnen, die den 18. (!!!) Geburstag ihrer Freundin begossen. Laut ihrer Aussage bekommt man in New York einen gefälschten Ausweis ab 60$. Muss ich mir merken, man weiß ja nie.
Natürlich vermisse ich euch alle, auch wenn ich hier ja viel zu tun habe. Ich hoffe, dass ich bald regelmäßig Internet habe und euch alle auf dem Laufenden zu halten.
Ach ja, diese unzivilisierten Amis nennen den weltberühmten „Wunderbaum“ einfach nur „car refresher“. Wo bleibt die Poesie?
Montag, 14. Juli 2008
Dinge die Frauen nicht tun sollten (VI)
Dazu gehört auch im Fußballstadion oder beim Public-Viewing Gesänge anzustimmen. Es gibt wenig lächerlicheres als eine Fankurve aus der im dreigestrichenen G "Aiaiaiaiooooo...BVB...Hurensöhne!!!" schallt.
Dienstag, 6. Mai 2008
Retro Informationszeitalter
Er ersetzt mir die Sport-Bild (auf jedem Sender die 200er), die Gala (Pro7 Videotext 430-438) und die St. Pauli Nachrichten (dank Frau von der Leyen und Konsorten jetzt erst ab 22 Uhr...). Ist einfach herrlich retro diese pixeligen Informationen... Für mich gehört zu Bundesliga-Spieltagen das gebannte Starren aus leeren Augen auf pinkne Ziffern einfach dazu, auch wenn sich oftmals minutenlang nichts tut. Aber diese unbeweglichen seelenlosen Ziffern transportieren für mich mindestens so viel Dramatik wie die Bundesligakonferenz im Radio, auch ohne "zurück ins Funkhaus". Wie konnte man das Saisonfinale 2001 besser beschreiben als ein prosaisch spartanisches alle-Spielergebnisse-weiß-bis-auf-Bayern-Hamburg-dann-plötzlich-1:1-und
-Bayern-Hamburg-wird-weiß?!?
Aber am meisten am Videotext bewundere ich die telefonischen Ted-Umfragen. da werden Fragen zum Ostrakismos gegeben, die die Welt bewegen. "Welche Mannschaft steigt ab?", "Sollte das Rauchverbot auch auf Weltraumbahnhöfe ausgeweitet werden?", "Welches Tokio Hotel Mitglied sollte Außenminister werden?" etc.
So weit so gut, aber was mich echt begeistert sind die Antwortkategorien "Weiß nicht", "naja" oder "Mir egal". Da geben Leute 49 Cent für einen Anruf aus um ihre geballte Meinungslosigkeit kund zu geben. Da sage noch einer es gäbe keine Idealisten mehr in dieser Welt.
Der absolute Höhepunkt der Videotext-Abstimmungskultur ist allerdings die wöchentliche Abstimmung "Wen würden sie wählen wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre?", deren repräsentative Ergebnisse abwechselnd entweder von einer 2/3-Mehrheit der CDU oder einer Minderheitsregierung der Linkspartei unter Duldung der SPD (zwischen 5 und 8%) berichten, während die Grünen und die FDP anscheinend bei der nächsten Wahl zum lustigen grauen/blauen "Sonstige" Balken gerechnet werden können. Aber auch hier können echte Idealisten für "Ich gehe nicht wählen"anrufen. Was auch jedesmal zwischen 10 und 25% machen. Aus dem Haus gehen und seine Stimme abgeben um etwas an den Misständen in diesem, unseren Lande zu unternehmen? (Insert Ruhrpott Dialekt here) "Nä, bin doch nicht bescheuert!" Aber 49 Cent ausgeben um bei ner Abstimmung die keinen Menschen interessiert zu sagen, dass man nix machen wird... da is man doch dabei. (Wieder Ruhrpott-Dialekt) "Mann muss doch die da oben auch ma zeigen wo der Hammer hängt!"
Samstag, 26. April 2008
Soziologen-Orakel
Mittwoch, 27. Februar 2008
Liebe in Zeiten des SMS-Fernsehens
Ich hatte außerdem endlich mal wieder Zeit laufen zu gehen. Unglaublich wie schnell man total unfit wird. Als ich von meinen Runden im Park zurück war musste ich mich erst mal auf die Couch vor den Fernseher pflanzen.
Ausgepumpt wie ich war, konnte ich mich da natürlich keinem geistig anstrengenden Programm aussetzen. War um diese Tageszeit (zwischen 11 und 12) auch nicht möglich, selbst auf dem Intelektuellen-Sender DSF lief nicht wie sonst zum Philosophieren anregende Kost ("Wie groß werden wohl die Brustwarzen dieser osteuropäischen Bordsteinschwalbe im Boxring sein?" und natürlich "Was hat das denn bitte sehr mit Sport zu tun?"), nein stattdessen hat ein minder talentierter Moderator versucht mir einen Camcorder anzudrehen.
Hängengeblieben bin ich dann auf VIVA. Hier wurden meine niedermentalen Bedürfnisse befriedigt. Während ich Britneys neustes, anscheinend in einer schlecht ausstaffierten Garage aufgenommene Video sehen durfte, lief am unteren Bildrand die sogenannte "Loveline". Für meine arte-gestählte Stamleserschaft eine kurze Erläuterung: Verwirrte Teenager und HartzIV-Empfänger schicken ihren Namen und den Namen der von ihnen begehrten Person an VIVA, und erhalten dann anschließend live im Fernsehen die Prognose, wie es mit der Beziehung so wird. Da zuerst ein beschreibender Text aufpoppt und nebenbei die Prozentzahl, die die Qualität der Beziehung ausdrücken soll, hochzählt, habe ich begonnen ein kleines Spiel zu spielen. Während ich die Beschreibung las tippte ich, mit erstaunlicher treffsicherheit wie ich anmerken wollte, die Prozentzah, die zu dieser Beschreibung passt. Ist gar nicht so schwer, da sie sowieso meistens zwischen 60-75% und 90-100% liegen. Was wohl für eine Beschreibung bei 0% dastehen würde? Ich tippe auf ungefähr sowas:
Adrian - Josa: 0% Du hasst Josa bis aufs Blut. Das liegt an seinem abstoßenden Äußeren, sowie seinem penetranten Körpergeruch.
Aber die Fragen die sich beim betrachten der Sendung auftun, sind natürlich deutlich vielschichtiger:
Hildegard - Bill: 77% (Wer nennt seine 13 jährige Tochter Hildegard? Oder gibt es etwa postpubertäre Tokio Hotel Fans?)
Mustafa - Hermann: 93% (Was sagen ihre Familien dazu?)
Cindy - Ronny: 98% (Aus welcher Gegend Deutschlands könnten die beiden stammen?)
Und kann man VIVA verklagen, wenn es trotz ihrer Vorhersage, dass "diese Liebe für immer hält" nach 30 Jahren zur Scheidung kommt?
Liebe Grüße,
Adrian
P.S. Adrian - Adrian 64% "Adrian und du, eine Achterbahn der Gefühle. Er ist zwar verständnisvoll und gutaussehend, aber seine gnadenlose Hybris kann dich zur Verzweiflung bringen. Nur nichts überstürzen, lasst euch die zeit die ihr braucht."