Mittwoch, 25. Februar 2009

Absurditäten an Kasse 3

War grade eben mal wieder im Keyfood-Supermarkt meines Vertrauens. Ist von meiner Wohnung aus ein ca. 5 minütiger Fußmarsch, für meine Verhältnisse also unverschämt weit weg. Da kauft man dann natürlich auch gleich richtig viel wenn man diesen beschwerlichen Weg auf sich nehmen will. Soll sich ja auch lohnen. Nur ist es deutlich angenehmer leicht beladen 5 Minuten durch Williamsburg zu laufen, als bepackt wie ein Maulesel. Aber irgendwas ist ja immer.
Des weiteren ist mir an der Kasse folgendes zum ersten Mal bewusst geworden: Jedes mal, wenn die Kassiererin einer Supermarktkasse ein von mir aufs Band gelegtes Produkt über den Scanner fährt und es nicht auf Anhieb "biep" macht, werde ich kurz nervös. Ich habe dann immer das Gefühl, dass die Kassierer mich verdächtigen, fremde Waren aufs Band zu legen. Umgekehrter Ladendiebstahl sozusagen. Welchen Sinn eine solche Aktion haben könnte, ist mir bis jetzt noch nicht klar geworden. Aber in Gedanken und Planspielen darüber versunken, bin ich dann beladen wie ein Maulesel auf dem Heimweg erst mal eine Straße zu früh abgebogen um dann, als ich in der richtigen Straße war, erstmal an die falsche Haustür zu laufen.

Jetzt mal in eigener Sache (der obige Text spiegelt ja bestimmt die Gedanken der Mehrheit der Menschheit wieder, ich bin doch nicht merkwürdig) : Es stehen grade mal wieder die midterm essays an. Weil ich diese vor meinem Geburtstag (von Beileidsbekundungen am weinend an die Bar Gelehnten ist bitte abzusehen) gerne fertig hätte, habe ich nicht so viel Zeit zum bloggen. Außerdem habe ich seit gestern zum ersten mal seit 6 Monaten Fernsehen. Amerikanisches Fernsehen. Yeah.

Freitag, 20. Februar 2009

Dinge die Frauen nicht tun sollte VII-IX

- Knallroten Lippenstift tragen. Sieht einfach zu merkwürdig aus. An besten in einem Dialog aus Scrubs zusammengefasst: "Dr. Cox, kann ich den Lippenstift tragen, oder sehe ich damit aus wie ein Clown?" - "Nein Barbie, du siehst nicht aus wie ein Clown, du siehst aus wie eine Prostituierte deren Kundenkreis hauptsächlich aus Clowns besteht."

- Sich die Brüste vergrößern lassen. Ich habe bis jetzt noch nicht einen einzigen Mann auf der ganzen Welt gefunden, der diese mag.

- Ist mir letztens auf der Straße aufgefallen: Mützen mit Tieröhrchen tragen. Also nicht mit Seitenteilen für die Ohren, sondern solche mit nur der Dekoration dienenden "Öhrchen" oberhalb des Skalps. Besonders beliebt ist die Pandabärenmütze. Ausnahme: Weibliche Wesen unter dem Alter von 9 Jahren.

Neues aus bedroom c

Nachdem ich mit meinem letzten Eintrag hier ja solche Reaktionen ausgelöst habe (dabei habe ich nur eine allgemeine Tendenz aufzeigen wollen), zurück zu Fallout.

Am Mittwoch abend war mein großer Tag tatsächlich gekommen. Mir wurde bedroom c zugeteilt, eingerichtet in herrlicher Krankenhausspartanität. Dabei habe ich auf meinem Weg zum Schlaflabor ein Poster gesehen, welches ein wunderschönes Zimmer mit edlen Möbeln, einem Himmelbett etc. zeigte. Das war aber ein Kreißsaal. Natürlich ist eine schöne Umgebung für eine gebärende Frau bestimmt entspannend. Würde ich allerdings jemals ein Kind bekommen (was Gottseidank ja niemals passieren wird) hätte ich glaube ich Hemmungen so ein schickes Zimemr einzusauen.
Okay, genug der Merkwürdigkeiten, zurück zu den Tatsachen. Ein netter Mitarbeiter hat mich erst einmal verkabelt. Allein 13 Elektroden schmückten meinen Kopf und mein Gesicht, nicht eine meine Genitalien, wie wir das doch aus Qualitäts-Fernsehproduktionen kennen. Seriös wirkte das ganze deshalb erstmal nicht. Zusätzlich gabs noch 2 Elektroden an jeden Unterschenkel, 4 an die Brust, Schläuche in die Nase und einen rot leuchtenden Pulsmesser an den Zeigefinger. Man gewöhnt sich zwar schnell an alles, aber wie will man denn schlafen, wenn man die ganze Zeit nur seinen rot leuchtenden Finger heben und "Elliooot" bzw. "phone home..." sagen will? Netterweise wurde später vergessen mir die Elektroden von den Beinen abzunehmen. Das Schauspiel, wie ich jammernd und wehklagend ob meines Beinhaarverlusts das letzte bißchen Selbstachtung verlor, war im heimischen Badezimmer doch besser aufgehoben, als ovr Publikum.
Die Nacht lief relativ ereignislos ab. Am nächsten morgen wurde mir von Rachel Frühstück gebracht. Natürlich keine hübsche juge Krankenschwester bekannt aus Funk und Fernsehen, sonder eine ca 60jährige Frau mit starkem russischen Akzent und Kasernenhof-Ton.
Tagsüber versuchte ich mich den Damen Williams und Butler sowie einem gewissen Herrn Benjamin zu widmen. Ging auch ganz gut. Circa alle 90 Minuten kam dann Rachel in mein Zimmer und sagte "You got nap now!" und "Take off your eye-glasses, you don't have to see your dreams!". Durch großmütterliche Prägung bin ich ja gewohnt älteren Damen gegenüber keine Widerworte zu geben (führen nur zur Verschärfung der Lage) und brav auf Kommando Nickerchen zu halten. 4 von 5 mal hat das sogar geklappt.
Beim Mittagessen (Hähnchenbälle mit Reis, Karroten, Pina-Colada Pudding und dazu Apfelsaft aus Äpfeln aus "den USA und/oder Neu-Seeland, Argentinien, China oder Chile) erklärte mir dann ein junger Arzt der mich sehr an Dr. Mohinder Suresh von Heroes erinnerte, die vorläufigen Ergebnisse der Nachtstudie. Ich habe also ein wenig Schlaf-Apnoe. Gut zu wissen. In 2 Wochen oder so gibts dann die Ergebnisse. Und hoffentlich bekomme ich dann auch meine geek-Maske. Immerhin haben mich 4 Zwangsnickerchen über den Tag verteilt wieder nicht davin abgehalten beim Film-Screening in der Uni am Abend einzuschlafen.

Montag, 16. Februar 2009

Schnarchnasen

Die Gerüchte sind wahr: Ich schnarche hin und wieder ein wenig. Und gelegentlich bekomme ich im Schlaf Erstickungsanfälle und werde dann so richtig laut. Schlaf-Apnoe nennt man das. Würde mich ja nicht weiter stören, wenn es nicht die unangenehme Nebenwirkung hätte, dass ich bei Filmen, oder wenn jemand längere Vorträge hält einschlafe und nichts dagegen tun kann. Für einen Filmstudenten nicht die besten Lernumstände.
Deshalb wollte ich mich in einem Schlaflabor mal richtig durchchecken lassen in der Hoffnung, dass ich eine CPAP-Schlafmaske, die mich auf ein ganz neues Level von Nerdtum hebt und durch den richtigen Druck meine Erstickungsanfälle verhindert, verpasst bekomme.
Das Schlaflabor ist so eine Sache. Wenn man Leuten davon erzählt, dass man einen Termin da hat, bekommen sie (vor allem Frauen) so einen Glanz in die Augen und fragen meist direkt: "Leidest du an Insomnia?" Die Schlaflosigkeit ist wohl in der allgemeinen Vorstellung verknüpft mit dem Bild des Künstlers, der des nachts einsam durch die Straßen der Großstadt streift und dabei die Schönheiten entdeckt, die dem Blick des normalen Menschen verwehrt bleiben. Er nimmt seine Entdeckungen mit Gleichmut auf und die Erlebnisse der Nacht und die Persönlichkeiten, die er auf seiner ziellosen Reise trifft, wirken am nächsten Tage wie fast vergessene Träume...
"Nee, ich ersticke nur manchmal nachts fast (auch zur fasnacht, entschuldigung, Kalauer), und schnarche unglaublich. Dann schlafe ich ständig tagsüber ein", wirkt wohl leider nicht ganz so sexy. Verstehe ich eigentlich nicht: Ein Mann kämpft ums Überleben, die natur und sein eigener Körper sind sein Feind. Fast wie bei einem Extremsportler.

Gestern sollte es also soweit sein. Um 21 Uhr sollte ich im Schlaflabor aufkreuzen. Ich mache mich also bettfertig, putze meine Zähne, nehme die Kontaktlinsen raus, ziehe meinen Einteiler-Pyjama-Strampler mit Bärchenmotiv und passender Schlafmütze an und mache mich auf den Weg. Exakt 3 Schritte bevor ich die Ubahn-Haltestelle betrete und damit telefonisch nicht mehr erreichbar gewesen wäre (Köln ist eben doch eine Technik-Metropole), erhalte ich einen Anruf vom Schlaflabor. Obwohl ich einen Brief von ihnen habe, der besagt, dass ich nur die Nacht über da bleiben soll, wollen sie auf einmal zusätzlich eine Tagstudie an mir durchführen. Das geht allerdings heute nicht, denn es ist heute Presidents day. Und da ist dann niemand im Labor. Anscheinend waren 3 Wochen Zeit nicht genug, um diesen Lapsus zu bemerken. Das Schlaflabor fährt übrigens die Politik, dass man 48 Stunden vorher bescheid geben soll, sollte man den Termin absagen, sonst muss man 500$ zahlen. Ich finde dieser Verein schuldet mir jetzt Geld.

Morgen werde ich dann wahrscheinlich einen neuen Termin bekommen. Wenn dieser unorganisierte Haufen das mal hinkriegen sollte.

Sonntag, 15. Februar 2009

Was mich (und andere) am deutschen Film stört

Zitat von Syd Field (seines Zeichens Drehbuchguru):

"I once taught a workshop in Germany for some fifty writers. And out of fifty stories, forty-six of them ended in death, suicide, mayhem and destruction. I told the students that there are better ways to end your screenplay than to have your character caught, shot, captured, die, commit suicide or be killed".

Mittwoch, 11. Februar 2009

Wer ist eigentlich...

dieser "Mister Wong"? Egal wonach man googelt, immer will sich dieser Kerl einmischen. Und immer mit der gleichen Formulierung, die gerne mal zu bizarren Ergebnissen führt.





In diesem Fall ist es besonders interessant zu sehen, was "Mister Wong" so alles für unbeliebt (oder auch nicht) hält.

Dienstag, 10. Februar 2009

War ja klar.

Natürlich musste der Club sich bei mir rächen und schlägt den FCK 3:0.

Colins Schwester ist auch wieder aufgetaucht und wieder gen Atlanta abgereist. Und sogar sein Iphone hat der Herr wieder bekommen. Ein ehrlicher Finder, der noch nicht mal Geld dafür verlangt hat, hat es auf dem Boden eines Taxis gefunden. Während sein Freund gerade draufgereiert hat.

Jetzt wissen wir wenigstens, dass das Iphone neben überteuertem und unnötig gehypten Funktionen Kotzdicht ist. Und das ist doch, wenn man mal ehrlich ist, eine wichtige Funktion für ein tragbares Telefon.

P.S. Der aufmerksame Leser dürfte bemerkt haben, dass mir das deutsche Wort "Handy" nur noch schwer über die Lippen bzw. die tastatur kommt. Es fühlt sich einfach irgendwie dämlich an.

Sonntag, 8. Februar 2009

Da will mir ums Verrecken kein FC Nürnberg Wortspiel einfallen...

...höchstens: "Der Club ist ein Depp".

Die meisten meiner treuen Apostel/Leser kennen mich ja persönlich und wissen daher, dass ich es doch ganz gerne geerdet und unabgehoben mag.
Gestern abend allerdings schleppte mich mein roomie Colin (der da eigentlich der gleichen Meinung ist), aufgrund akuten Schwesternbesuchs doch tatsächlich in einen neuen Möchtegern-Edelclub im West Village. Das war dann eher so wie man sich das New Yorker Nachtleben vorstellt. Nachdem Colin am Eingang einen Vertrag unterschrieben hat (ja, ein echter Vertrag) mindestens 100$ an der bar umzusetzen (in NYC nicht wirklich ein Problem und in Clubs wie diesem erst recht nicht), betraten wir die heiligen Hallen des "Green House".
Das Ambiente war ganz nett, alles mit Bambus und Mahagoni vertäfelt und auf dem Klo bekam man von einem afro-amerikanischen Angestellten das Wasser aufgedreht, Seife auf die Hand gepumpt und Papierhandtücher gereicht. Da fühlte man sich doch gleich wieder wie in der Konföderation.
Leider wurde der Abend nicht besser, als die Gäste anfingen in den Club zu strömen. Aus mir wird wohl nie ein "Clubberer". So ein prätentiöser Haufen an Menschen. Sieht man sonst höchstens auf einer Jura-Studenten-Party, oder bei den jungen Liberalen. Zu einem großen Teil zugegebnermaßen recht gut aussehend, aber leider anscheinend auch hohl und beinahe seelenlos. Man musste wirklich aufpassen dass man sich nicht an bestimmte Rücklehnen anlehnt, immerhin hat ein 20jähriger Milchbubi-Schnösel den Tisch reserviert um von daddy's money ein paar Flaschen Wodka zu leeren. Aber insgesamt eine interessante Erfahrung.

Hypothese 1: Der Mensch hört von Natur aus gerne Gitarren. Menschen die gerne House oder so hören unterliegen nur einer Massenhypnose; die Medien wollen ihnen verkaufen es sei hip. Ich glaube noch nicht mal den "Musikern" selbst gefällt diese Musik. Hat wahrscheinlich alles mal als Aprilscherz angefangen, der inzwischen außer Kontrolle geraten ist. Selbst die edle Schicht die im "green house" unterwegs war fing erst dann an mal richtig zu tanzen als für ein paar Takte Nirvana gespielt wurde. Davor und danach, als der Song vom DJ in einen House-Remix verwurstet wurde, war es mehr ein gelangweiltes Gewippe.

Hypothese 2 (und die ist auch ungleich wichtiger): Die Welt geht bald unter. Die Gesellschaft fällt in sich zusammen. Der Hipster-meta-retro-mechanismus ist heiß gelaufen. War es über einen längeren Zeitraum noch hip ironische 80er Klamotten zu tragen, so gibt es sie heute nicht mehr, wer die noch trägt, kann gleich wieder einpacken. Der Großteil der Hipster trägt inzwischen ironische (versteht sich ja von selbst) Klamotten von circa 1993/4, Flanell etc. Nur wird der Zyklus eben immer schneller. Und man muss ja immer an der Speerspitze sein, sonst ist man ja mainstream und nicht mehr hip. Daher tragen jetzt manche Hipster schon wieder stark gegelte komplett blondierte Haare (so wie Spike in Buffy, auch wenn ich die Serie nicht gutheißen kann und will), wir schreiben also modetechnisch wieder das Jahr 1998. Nur habe ich solche Frisuren eben auch bei meinem Heimatbesuch in der beschaulichen Westpfalz im Winter gesehen, völlig unironisch. Was passiert nun, wenn die Hipster Modezeit mit der echten Zeit kollidiert? Menschen laufen mit dem gleichen Style herum, beim einen ist es ironisch und beim anderen nicht, und wie kann man sie unterscheiden? Ich glaube ja (mit Dank an Douglas Adams), dass sobald das passiert, das Universum in sich zusammenfällt und durch etwas noch viel absurderes ersetzt wird. Andere behaupten, das sei schon passiert.

Grade eben klopfte Colin an meiner Tür. Er wirkt ziemlich verkatert und grummelig, da er seine Schwester und, natürlich, sein Iphone verschlampt hat. Die Gefahren des Clubbings.

P.S. Das liest sich jetzt alles so, als ob ich Clubs generell hasse. Das ist nicht wirklich so, es ist nur wie bei vielen Dingen im Leben so, dass es darauf ankommt von wem man umgeben ist und wie die Leute damit umgehen.

Montag, 2. Februar 2009

Mein erster Super Bowl

Ich versuche mir hier ja die amerikanische Dröhnung zu geben, mich dabei aber möglichst unter den gemeinen Einheimischen zu mischen. Deshalb habe ich die Wahlnacht zum Beispiel in Queens verbracht und nicht wie die Touris oder Demokraten am Time Square.
Deshalb habe ich mich heute auch für meinen ersten "richtigen" Super Bowl auch in eine möglichst normale Umgebung für Sportübertragungen begeben.
Circa 15 Minuten vor dem Kickoff kam ich in der überwiegend von vegetarisch lebenden Lesben besuchten Hausparty an. Es hieß, dass dieser Superbowl (Pittsburgh Steelers vs. Arizona Cardinals) der langweiligste aller Zeiten werden könnte, da die Steelers sowas von haushohen Favoriten waren. Die Cardinals haben noch nie den Superbowl gewonnen und hatten bis zu dieser Saison seit zehn Jahren kein Playoff-Match mehr gewonnen. Und überhaupt sind sie nur in die Playoffs eingezogen, da sie in einer echt schlechten Division spielen.
Es war natürlich klar, dass ich die Cardinals unterstützen würde, zumal sie in rot spielen. Und ich unterstütze doch immer die roten underdogs (den FCK, die SPD...).
Nachdem zuerst, "God bless America", dann das "Star spangled Banner" gespielt wurde und der heldenhafte Flug-Kapitän ausgezeichnet wurde, der es doch tatsächlich fertig gebracht hat bei der Ausübung seines Berufs nicht die Passagiere und komplette Besatzung des Flugzeugs umzubringen (ja, genau der), ging es auch schon los. Die 6 Stunden pre-game hab ich ja mal geflissentlich ausgelassen.
Das Spiel selbst plätscherte erstmal so vor sich hin, aber immerhin floß das Bier und die Nachos mit Dip. Immerhin wurde ich Zeuge des längsten Rushes der Super Bowl Geschichte. 100 Yards, eigentlich gehts kaum länger. Der Ball wurde direkt von der Endzone abgefangen und dann bis in die gegnerische Endzone getragen. Pittsburgh wurde seiner Favoritenrolle erstmal gerecht und führte souverän.
Das tolle an amerikanischen Sportübertragungen sind ja die Statistiken. Diese sind auch wohl der einzige Grund, weshalb Baseball so beliebt ist, es lässt sich eben alles in Zahlen fassen. Nachdem ich also erfahren habe, dass wenn die Tante des Defensiv-Coaches des NFC-Champions im Stadion anwesend ist, der AFC-Champion zu 80% der Fälle gewinnt und der NFC-Champion seit 18 Jahren den Münzwurf gewonnen hat, ging es auch schon in die Halbzeitshow.
Seit der wardrobe malfunction wird im amerikanischen Fernsehen ja vorsichtig ausgewählt, wer da auftreten darf. Bruce Springsteen schien natürlich für jeden patriotischen Amerikaner ungefährlich. Nur rutschte der Her Springsteen in senilem Übermut auf den Knien über die Bühne und überschätzte den Widerstand der Bühnenoberfläche und rauschte mit vollem Schwung mit seinem Schritt genau in eine Kamera, die dies natürlich live in ca. 1 Milliarde Haushalte übertrug. Er nahm es mit Humor, aber der Kameramann wird wohl einige Zeit gebraucht haben um den Penisabdruck (dieses Wort wollte ich immer schonmal tippen) von der Linse zu wischen.
Die zweite Hälfte ging genauso weiter, wie die erste aufgehört hat, mit Arizona in permanenter Defensive. Am aufregendsten sind ja eh die Werbespots, die ja zum Superbowl ungefähr soviel kosten wie das Bruttoinlandsprodukt von Schwarzafrika. Immerhin bekommt man hier hervorragende Werbespots geboten, die wohl ungefähr das Budget eines gewöhnlichen deutschen Kinofilms haben. Und in 30 Sekunden doppelt so viele Lacher erzeugen, wie Bully und Mario Barth in ihren beiden Leben (buddhistische Wiedergeburten eingerechnet) zusammen.
10 Minuten vor Schluss, die Cardinals lagen mit 13 Punkten zurück. Dann durfte ich das größte Comeback der Super Bowl Geschichte erleben und durch einen "safety" und zwei Touchdowns lagen eine Minute vor Schluss die Cardinals plötzlich mit 3 Punkten vorne. Letzten Endes schafften die Steelers dann noch einen Touchdown 30 Sekunden vor Schluss und gewannen dann doch noch.
Sowas hasse ich ja. So ein bißchen wie als bayern gegen Burghausen im Elfmeterschießen dann doch noch gewonnen hat. Eigentlich gewinnt ja keiner. Die Favoriten wurden ihrer Rolle nicht wirklich gerecht und die Außenseiter stehen am Ende doch mit leeren Händen da. der Favorit hat gefälligst deutlich zu gewinnen oder überraschend zu verlieren, aber so ein knapper Sieg stellt doch niemanden wirklich zufrieden.
Insgesamt kann ich wohl mit dem Spiel zufrieden sein und ich muss zugeben, das es spannend war. Vielelicht bin ich auch einfach nur durch meine 2 Baseballspielbesuche nichts mehr gewohnt.

Sonntag, 1. Februar 2009

Von Freud und Leid (Mitbewohner)

Mitbewohner haben definitiv was für sich. Langweilig wird es einem mit ihnen nicht. Natürlich kann man argumentieren, dass man schon selbst schuld ist, wenn man sich in New York langweilt, aber das würde jetzt zu weit führen.
Franz wohnt jetzt bei uns im wohnzimmer auf der Couch. Eigentlich sollte er wieder in Indien sein, aber sein Visum kam nicht an. Sein Zimmer hatte er trotzdem bereits vermietet. Deshalb wohne ich jetzt auch noch mit Robin, einem Halb-Franzosen Halb-Ami zusammen. Der ist aber irgendwie nur höchst selten da. Immerhin war ich mal mit ihm auf einer Party seiner Freunde. Man merkt sofort, dass man auf einer europäischen Party ist. Erstens läuft elektronische Musik (die hört in Amerika wirklich kein Mensch, sehr schön) und es wird viel mehr geraucht. Das Rauchverbot zieht hier sehr gut und die Tatsache, dass es tatsächlich noch die ein oder andere Ausgeh-Lokalität in New York gibt, sollte den deutschen Jammerlappen, die sich Wirt nenen den Wind aus den Segeln nehmen.
Franz rief mich eines morgens um halb acht an und bat mich darum ihn in die Wohnung zu lassen. Es stellte sich heraus, dass er seine Tasche im Suff nach einer erneuten Partie Bier-Pong verloren hatte, inklusive seines 3 Tage alten Laptops und der Wohnungsschlüssel. Was er zwischen 4 Uhr und 7.30 Uhr gemacht hat, wusste er selbst nicht mehr. Naja, vielleicht lernt er ja draus.
Natürlich nicht. Nächster morgen, 7.30 Uhr. Anruf Franz: "Bist du in der Wohnung? Ich komm auch bald, bin grad eben im Krankenhaus aufgewacht." Immerhin hält er sich seitdem von Alkohol weitgehend fern.
Ein anderes mal bin ich des nachts nach Hause gekommen um Colin schlafend in dieser Haltung vorzufinden:



Und ja, das ist unsere Küchentheke.

Irgendwie bin ich der solideste in der WG, ich mache mir schon Sorgen um mich. Für meine Kinder werde ich auf jeden Fall, sobald sie 14 werden betreutes Trinken abhalten. Sie sollen doch rechtzeitig lernen, wie man mit Alkohol umgeht um nicht so zu enden wie diese Puritaner, die in ihrer Jugend Sport treiben um dann in ihren 20ern Exzesse und Eskapaden zu erleben.
Aber natürlich haben sie auch ihre guten Seiten. Colin hilft mir dabei meinen Geburtstags-Pub Crawl zu planen, da er die Williamsburger Barszene am besten kennt. Und Franz hat mir gerade mitgeteilt, dass er gestern abend mit Norah Jones einen trinken war. Von ihrer (ebenfalls die Carnegie Hall ausverkaufenden) Schwester hat er sogar die Telefonnummer. Es geht also weiter bergauf. der Plan lautet wie folgt: Franz kennt Norah Jones' Schwester, über die lerne ich dann Norah Jones kennen, welche wiederum über gemeinsame Filmerfahrung mit, genau, meiner zukünftigen Ehefrau natalie Portman verfügt. Da lässt sich doch bestimmt was drehen. Wenn ich schon selbst als anscheinend einziger keine Prominenten treffe.
Ansonsten ist das land heute lahmgelegt, immerhin ist heute Super Bowl Sunday. Steelers gegen Cardinals. Es geht ums große Geld und um sonst nichts, wie in allen blutleeren amerikanischen Sportarten, sowie Hoffenheim. Ich habe mir schon fest vorgenommen rausgeworfen zu werden, nachdem ich unmotiviert "Homerun!" oder "Icing!!" rufe.
Ich muss jetzt aber auch schon wieder aufhören, muss immerhin überlegen, wer alles in meiner entourage sein wird und wer welche Funktion erfüllt.